Kippen und Kunst: In Wiesbaden wird das Rauchen zum Thema der Bildenden Kunst

Noch vor ein paar Jahrzehnten sah man berühmte Schauspieler in unvergesslichen Filmszenen mit einer qualmenden Zigarette in der Hand. Auf den Plakaten der Nikotinindustrie warben Cowboys und Segelschiffe für das Aroma der Freiheit und natürlich brauchte auch der Fernsehkommissar einen Glimmstengel zum Lösen seines Falls. Heute wäre das alles nicht mehr denkbar, denn Rauchen ist in weiten Teilen der Gesellschaft verpönt. Vielleicht setzt der Berliner Künstler Wilhelm Klotzek genau deshalb besonders absurde Slogans und Bilder zum Thema Rauchen in die Köpfe seiner Zuschauer. In einer Ausstellung in Wiesbaden sind nämlich riesige Schilder mit dem Slogan „Flanieren und inhalieren“ zu sehen und der Künstler geht sogar so weit, Wiesbaden zur Raucherhauptstadt Europas 2014 küren zu wollen. Die Ausstellung heißt „Zigaretten und andere nichtalkoholische Getränke“ und war vom 22. März bis zum 11. Mai 2014 beim Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden zu sehen und hat dort für ungläubige und erheiterte Gesichter gleichermaßen gesorgt. Von riesigen, selbst gefertigten Glimmstängeln ,die den Ausstellungsraum zierten, über einen stummen, aber kettenrauchenden Raben bis hin zu paradoxen Slogans wurden die Besucher mit ironisch aufbereiteten Stücken und Gegenständen an vergangene Zeiten erinnert und gleichzeitig mussten sich einige bestimmt auch fragen, in wie weit meint der das ernst?

Die Paradoxie als Kunstthema

Wilhelm Klotzek ist ein Künstler, der in Berlin geboren wurde und dort aufgewachsen ist. Er hat ein Studium zur Bildhauerei erfolgreich abgeschlossen und erhielt mehrere Preise und Stipendien. Seit 2008 sind seine Werke immer wieder in Gruppen- oder Einzelausstellungen zu sehen und oft werden alltägliche Themen von dem Künstler aufgegriffen und völlig bizarr und übertrieben in Kunstwerke und Texte verwandelt. Eines seiner Lieblingsthemen ist die Paradoxie und das wurde auch in der Ausstellung „Zigaretten und andere nichtalkoholische Getränke“ deutlich. Zwischen Bildhauerei und Text bewegen sie viele Arbeiten des Künstlers und er versteht es mit gnadenlosen Übertreibungen und überspitzt dargestellten Charakteren aufzuzeigen, wo Denkfehler vorhanden sind. Sein rauchender Kunstrabe Kehraus wird als Regisseur in dem Stück „Kinematografischer Dialog. Hessen jetzt!“ vom Künstler selbst zu seiner neuen Verfilmung der Buddenbrocks interviewt und die Szene könnten nicht grotesker sein. Wer hier nicht herzhaft lachen kann, wird spätestens über den Vorschlag „Rauchen als Geste“ zum Schulfach zu erklären, schmunzeln müssen und bei den riesigen Knautschkippen, die im Ausstellungsraum liegen, vollständig seine Fassung verlieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.